High Heel oder nicht High Heel, das ist hier die Frage

Redeangst und Lampenfieber. 5 Tipps, wie Sie Ihre Angst überwinden

pixabay-wortmarketing-lampenfieber-lvq-blogparadeAls Trainerin und Vortragsrednerin stehe ich relativ oft vor Publikum. Kleinere Gruppen, mittelgroße Gruppen oder 500 Personen. Auch ich habe Lampenfieber, was sich bei mir in eiskalten Händen und einem flauen Gefühl in der Magengegend äußert. Ich wende dann die unten stehenden Tipps an.

Vor allem Tipp 2: Denken Sie positiv! hat mir in einer Situation schon einmal „das Leben gerettet“. Eine liebe Bekannte bat mich, die Trauerrede für ihre Familie auf der Trauerfeier ihrer Mutter zu halten. Ich fühlte mich sehr geehrt und übernahm diese schwierige Aufgabe. Es war mein erstes Mal und zudem in einem besonderen Rahmen. Ihre Mutter war eine sehr engagierte Persönlichkeit in Mannheim, zur Trauerfeier kamen sämtliche Amts- und Würdenträger aus Politik, Stadt, Institutionen etc. Ich hatte bis morgens um 4 Uhr an der Rede gefeilt, geübt und immer wieder gegen die Angst angekämpft: Was ist, wenn ich anfange zu heulen? … Als ich ans Pult trat, verharrte ich einen kurzen Moment und schaute auf meine linke Handinnenfläche. Dort stand mit Kugelschreiber geschrieben „Ehre & Stärke“ – mein Mantra für diesen Tag – für diese Rede. Und es hat geholfen! Ich habe es geschafft. Nicht zuletzt dadurch, dass ich mich immer wieder positiv gepolt habe. Übrigens kamen im Anschluss an die Trauerfeier mir unbekannte Menschen auf mich zu und bedankten sich für die gefühlvollen Worte. Ich war zu Tränen gerührt.

Selbstverständlich ist nicht jeder Auftritt derart „dramatisch“. Lampenfieber ist allerdings ganz schnell da. Lars Hahn schrieb mir (zugegeben schon vor einiger Zeit) bei XING und berichtet über die Blogparade im LVQ-Blog: Blogparade gegen Lampenfieber und Prüfungsangst #LampenFieberTipps. Mit Influencer Relations köderte er mich ;-). Als Nachzügler sind dies also meine Tipps, wenn bei Ihnen mal wieder die Lampe angeht.

1. Akzeptieren Sie Ihre Nervosität!

Machen Sie sich eins klar: Sie sind nicht allein. Statistiken zufolge leiden etwa 40 Prozent aller Menschen an Redeangst. Es ist völlig normal und sogar nützlich, Lampenfieber zu haben. Kribbeln im Bauch, eiskalte Hände, Kloß im Hals. Sogar Profi-Redner, Schauspieler und TV-Moderatoren kämpfen damit vor Ihren Auftritten. Unser Körper fühlt sich bedroht und produziert Adrenalin, um unter Hochspannung mehr leisten zu können. Unsere Sinne werden geschärft – die Aufmerksamkeit läuft auf Hochtouren. Aber was ist eigentlich die Bedrohung? Wovor haben die meisten Menschen denn Angst? Die Hintergründe können sehr unterschiedlich sein:

  • Vielleicht ist Ihnen in einem Vortrag mal etwas furchtbar Peinliches passiert.
  • Sie hatten einen Blackout und wussten nicht mehr weiter.
  • Andere haben Angst, ausgelacht zu werden.

Wichtig ist, dass Sie herausfinden, wovor Sie Angst haben. Je mehr Sie über Ihre Angst wissen, desto besser können Sie damit arbeiten.

Nehmen wir an, Sie haben große Angst vor einem Blackout. Dann legen Sie sich in Ihrer Vorbereitung eine Strategie zurecht, wie Sie damit umgehen, wenn dieser Fall wirklich eintritt. Sie können z. B. den letzten Satz noch einmal wiederholen, einen Schluck Wasser trinken, Fragen stellen oder ehrlich zugeben, dass Sie den Faden verloren haben. Das nimmt Ihnen niemand übel und aufmerksame Zuhörer geben Ihnen dann das Stichwort und Sie fahren einfach fort.

Und bedenken Sie auch: Ihre Zuhörer sind meist froh, dass sie nicht selbst präsentieren müssen.

2. Denken Sie positiv!

Steigern Sie sich nicht in Ihre Angst hinein, sondern stellen Sie sich ihr. Wenn Sie – wie eben schon gesagt – Ihre Ängste identifiziert haben, überlegen Sie, wie Sie damit umgehen können. Denken Sie nicht an die Katastrophen, die passieren können – aber nicht müssen!! – sondern polen Sie Ihren Gedankenkreislauf von negativ auf positiv um.

Kennen Sie die „sich selbst erfüllenden Prophezeiungen“? Das, woran Sie immer wieder denken oder was Sie sich immer wieder sagen, tritt auch tatsächlich ein. Wenn Sie also in Ihrer Angst ständig daran denken, dass Sie sich verhaspeln oder unabsichtlich einen Witz machen, dann wird das mit großer Wahrscheinlichkeit auch eintreten. Aber was würde dabei schlimmstenfalls passieren? Die Zuhörer lachen – Sie lachen mit – fangen sich wieder und fahren mit Ihrem Vortrag fort.

Sagen Sie sich immer wieder Sätze wie: Ich kann das. Ich freue mich auf den Vortrag. Ich bin gut vorbereitet. Natürlich vorausgesetzt, Sie SIND gut vorbereitet – denn das ist schon die halbe Miete. Sie beschäftigen sich eingehend mit Ihrem Thema und Ihre Zuhörer sind gekommen, weil Sie daran interessiert sind und hören wollen, was SIE zu sagen haben.

Glauben Sie an sich und Ihren Erfolg! Rufen Sie sich Situationen ins Gedächtnis, in denen Sie erfolgreich eine Rede, einen Kommentar oder eine Präsentation gehalten haben. Malen Sie sich gedanklich aus, wie Sie diesen Vortrag bereits erfolgreich vor Ihrem Publikum gehalten haben und genießen Sie den Beifall. Wiederholen Sie dieses Mentaltraining regelmäßig. Es kann sehr wirksam sein (siehe meine Geschichte oben „Ehre & Stärke“).

3. Bringen Sie Ihre Stimme in Schwung!

Opernsänger, Rockbands, Moderatoren, Schauspieler – alle tun es, bevor sie ihre Bühne betreten: Sie bringen Ihre Stimme in Schwung.

  • Wärmen Sie Ihre Stimme auf: husten Sie oder gurgeln Sie mit etwas Wasser. Manche geben dem Wasser auch noch etwas Eukalyptusöl hinzu.
  • Trinken Sie ein halbes Glas lauwarmes Leitungswasser. Summen Sie in verschiedenen Höhen vor sich hin. Das alles lockert Ihre Stimmbänder und macht sie geschmeidig.
  • Falls Sie merken, dass Ihre Stimme rau ist oder kratzig, lutschen Sie vor Ihrer Rede oder auch in den Pausen Hustenbonbons oder gurgeln Sie mit Salbeitee.
  • Wenn Sie während der Präsentation ein Kratzen im Hals spüren, schlucken Sie anstatt sich zu räuspern. Das ist schonender.

4. Tragen Sie „Wohlfühl-Kleidung“!

Damit meine ich natürlich nicht Ihren super bequemen Jogginganzug. Es geht einfach darum, dass Sie sich in Ihrer Haut wohlfühlen. Wenn schon die Präsentation Stress in Ihnen erzeugt, sollten Sie sich durch Ihre Kleidung einen festen Anker schaffen. Suchen Sie – dem Anlass entsprechend – in Ihrer Garderobe etwas, in dem Sie sich gut fühlen, was nicht zwickt oder ständig rutscht und immer wieder in Position gebracht werden muss. Verkleiden Sie sich nicht! Es besteht die Gefahr, dass das Ihr Publikum merkt. Kleiden Sie sich so, dass Sie ohne Probleme ein Kleidungsstück ausziehen können – sollte es Ihnen zum Beispiel zu warm werden.

pixabay-wortmarketing-lampenfieber-lvq-blogparadeUnd ganz wichtig: Ihre Schuhe. Sie sollten – unfallfrei – Ihre Präsentation überstehen. Also suchen Sie diejenigen aus, in denen Sie gut laufen und auch einige Zeit stehen können. Wenn Sie also normalerweise flache Ballerinas tragen, sollten Sie auf keinen Fall für diesen Anlass Ihre High Heels wählen. Wenn Sie allerdings darin geübt sind, hohe Schuhe zu tragen, brauchen Sie sich auch nicht zu verstellen.

5. Zelebrieren Sie den Start!

Gehen Sie ruhig und entschlossen – treten Sie nicht ein, sondern auf!

Achten Sie darauf, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen. So behalten Sie das Gleichgewicht.

Nehmen Sie Blickkontakt mit Ihren Zuhörern auf und schaffen Sie so eine Verbindung zu ihnen. Bauen Sie eine Brücke. Wenn Sie bereits vor Ihrer Rede Kontakt mit dem Publikum hatten, können Sie sich jetzt diese (sympathischen) Personen raussuchen. Fixieren Sie aber keine bestimmte Person, sondern sehen Sie verschiedene Personen an. Schauen Sie nicht über das Publikum hinweg – das wirkt arrogant. Aber schauen Sie auch nicht auf den Boden – das wirkt wiederum unsicher.

Wenn Sie jemand Vertrautes im Publikum haben, schauen Sie regelmäßig auch ihn oder sie an. Er kann Ihnen nämlich auch heimlich Zeichen geben und zum Beispiel mit Kopfnicken zeigen, dass alles ok ist. Das gibt Ihnen nochmal zusätzlich Sicherheit.

Lernen Sie die ersten Sätze und auch den letzten Satz auswendig. Das verschafft Ihnen zusätzliche Sicherheit und Sie können sich zunächst daran festhalten, bis die ersten Sekunden vergangen sind und Ihre Anspannung sich etwas gelöst hat.

Nehmen Sie noch einmal zwei tiefe Atemzüge in den Bauch, um sich beruhigen. Warten Sie, bis alle Aufmerksamkeit bei Ihnen ist und geben Sie den Zuhörern ein Startzeichen, z. B. ein Nicken oder ein Positionswechsel. Lächeln Sie und genießen Sie noch einmal 3 Sekunden Stille. Halten Sie das aus! Das erzeugt Spannung im Publikum und hilft Ihnen, noch einmal Ihre Gedanken zu sammeln. Profis zelebrieren das ganz bewusst!

Also: Fester Stand – Blickkontakt – drei Sekunden Stille: Vorhang auf!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zum Glück bin ich mit einem gewissen „Rampensau“-Gen geboren.
    Aber den Faktor Wohlfühl-Kleidung kann ich total unterschreiben!
    Ich lege mir in der Regel schon am Vortag mein Outfit zusammen.
    Außerdem trage ich nie bisher ungetragene Kleidungsstücke.
    Das „Zwiebelsystem“ hat sich bei mir auch bewährt – falls es im Eifer des Gefechts doch zu warm wird, kann man ein Jäckchen oder den Blazer ausziehen.

    Viele Grüße
    Aline

  2. Genau das Schlimmste ist mir einmal passiert. Ich war immer selbstsicher als ich auf die Bühne ging, aber dann ist mir einmal etwas wirklich peinliches bei einem Vortrag passiert. Und seit dem habe ich immer Angst, den Vortrag zu vermasseln…..Beim nächsten Mal werde ich versuchen mich an diese Tipps zu halten. Danke für den Artikel!

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